Grundsätzlich sollte eine Diagnostik immer individuell und auf die Bedürfnisse und Situation des Sportlers abgestimmt sein. Deswegen lassen sich auch keine generellen Profile verallgemeinern. Im Folgenden habe ich mögliche Kombinationen von sinnvollen Parametern dargestellt welche als Basis dienen können.

Ziele einer individualisierten Diagnostik und Betreuung sind:

  • Verletzungsprophylaxe / Minderung chronischer Beschwerden

  • Verbesserung der Regenerationsfähigkeit und Trainingsqualität

  • Stoffwechseloptimierung

  • Gesundheit

Diagnostik

Hier sind zwei Studien zu den Parametern Crosslinks und Kynureinin als Marker von Überlastungszuständen hinterlegt.

Profil Makronährstoffe 

In diesem Profil werden Aminosäuren und Fettsäuren bestimmt. Es werden 24 Aminosäurenwerte und 15 Fettsäuren (plus Quotienten) aufgeschlüsselt.

 

Interessant ist dieses Profil für alle Personen und Sportler die ihre Basisernährung kontrollieren möchten und eine optimale Funktion von Organen und Strukturen im Körper sicherstellen wollen. Vor allem Sportler mit hoher Trainingsbelastung und Personen mit stressbedingter unausgewogener Ernährung können hier einen Überblick über evtl. vorhandenen Unterversorgungen bekommen.

 

Amino- und Fettsäuren sind die Grundbausteine für alle Strukturen und Funktionssysteme im menschlichen Körper. Neben den bekannten Funktionen im Strukturaufbau wie von Zellwänden oder Muskelprotein, brauchen auch Hormone, das Immunsystem, der Darm oder Entgiftungs- und Antioxidative Systeme diese Grundbausteine für eine optimale Funktion.

 

So sind z.B. die verzweigtkettigten Aminosäuren (BCAA) Leucin, Isoleucin und Valin die Hauptverantwortlichen für den Muskelstoffwechsel.

Tryptophan hingegen ist der Ausgangsstoff für die Synthese des Hormons Serotonin, welches die Stimmung reguliert aber auch die Schmerzwahrnehmung beeinflusst. Aus Serotonin wird im Weiteren das Hormon Melatonin gebildet welches für den Schlaf-Wach-Rhythmus verantwortlich ist und somit einen gravierenden Einfluss auf die Regeneration im Schlaf hat.

Glutamin ist unsere mengenmäßig „größte“ Aminosäure und essentiell wichtig für Darmgesundheit, Immunsystem und Entgiftung, aber auch für die Regulierung des Säure-Basen Haushaltes.

 

Durch einseitige Ernährung und / oder Supplementation von Aminosäuren entstehen häufig unausgeglichene Zusammensetzungen im Aminosäurestatus.

 

Sehr schwer, bis fast nicht möglich, ist es eine ausreichende alimentäre Versorgung mit Omega-3 Fettsäuren zu erzielen. Neben Funktionen im Strukturaufbau belegen verschiedene Studien den positiven Einfluss einer ausreichenden Versorgung auf ökonomisierte Herz- und Lungenfunktion, den Laktatabbau sowie verringerten Mikroentzündungen nach Belastung und einer gesteigerten Herzfrequenzvariabilität.

 

 

Folgen:

Bei den Fettsäuren und Aminosäuren muss immer der gesamte Status im Zusammenhang mit eventuell bestehenden Beschwerden interpretiert werden.

 

Wenn einer oder mehrere Parameter unterversorgt sind, sollten mögliche Ursachen besprochen werden (Lebensumstände, Medikamente, Rauchen, Stress, Krankheiten). Neben einer evtl. Umstellung von Gewohnheiten sollte die Ernährung ausgerichtet und evtl. eine angepasste Zusatzversorgung mit Mikronähstoffen erfolgen.

Bei den Fettsäuren und Aminosäuren muss immer der gesamte Status im Zusammenhang mit eventuell bestehenden Beschwerden interpretiert werden. 

Profil Mikronährstoffe

In diesem Profil werden Mineralstoffe und wichtige Vitamine untersucht.

 

Geeignet ist dieses Profil für alle Personen und Sportler die leicht erschöpft, häufig energielos und erkältet, immer wieder verletzt sind oder schlechte Trainingsanpassungen bemerken.

 

Untersucht werden Mineralstoffe im VollblutKalium, Calcium, Magnesium, Kupfer, Eisen, Zink, Molybdän und Selen.  Zusätzlich die Vitamine B6, B12 (Holotranscobalamin),  Vitamin D und das Coenzym Q10.

 

Die genannten Mineralstoffe werden bei fast allen Körperfunktionen benötigt. Energiestoffwechsel, Muskelfunktion, Immunsystem, Wasserhaushalt oder Entgiftungs- und Hormonsysteme.

Ein Mangel an einzelnen oder mehreren Mineralstoffen kann sich oft auch in unspezifischen Symptomen äußern.

So kann z.B. auch eine schnelle muskuläre Ermüdung durch die mangelnde Fähigkeit ausreichend Glykogen einzulagern verursacht sein. Für eine adäquate Glykogeneinlagerung wird ausreichend Kalium benötigt.

 

Vitamin B12 und Q10 sind neben Magnesium die wichtigsten Faktoren für ein optimales Funktionieren der mitochondrialen Atmungskette und somit der aeroben Energiegewinnung. Ein Mangel an einem Co-Faktor kann den Vorgang deutlich einschränken.

 

Vitamin D hat zahlreiche Funktionen im Körper. Neben der Kontrolle des Calcium und Phosphathaushaltes spielt es eine außerordentliche Rolle im Immunsystem. Genau genommen hat es mehr mit den Funktionen eines Hormons gemeinsam als mit denen eines klassischen Vitamins.

Trotz eindeutiger Studienlage zu den leistungsgünstigen Effekten eines optimalen Vitamin D Spiegels haben rund 60% aller Spitzensportler eine Unterversorgung. Auch wenn dies häufig geschrieben wird reicht in Deutschland die reine Sonnenstrahlung im Jahresschnitt nicht um eine ausreichende körpereigene Produktion mit Vitamin sicher zu stellen.

 

Folgen:

Wenn einer oder mehrere Parameter unterversorgt sind, sollten mögliche Ursachen besprochen werden (Lebensumstände, Medikamente, Rauchen, Stress, Krankheiten). Neben einer evtl. Umstellung von Gewohnheiten sollte die Ernährung ausgerichtet und evtl. eine angepasste Zusatzversorgung mit Mikronähstoffen erfolgen.

Profil Stress  

Mit  diesem Profil werden Marker zu verschiedenen Stressbelastungen im Körper kontrolliert.  Diese sind Lipidperoxidation, Nitrotyrosin, hsCRP, Cortisol-Tagesprofil.

 

Dieses Profil ist für alle Personen und Sportler geeignet die unter Stressbelastungen stehen, häufig Medikamente nehmen (Antibiotika, Statine, Blutdruckmedikamente) oder Probleme mit der Halswirbelsäule haben.

Zudem sollten bei allgemeiner Müdigkeit, Erschöpfung, schlechter Regeneration und häufigen Infekten die Stressparameter abgeklärt werden.

 

Lipidperoxidation ist ein globaler Marker für die Belastung mit oxidativem Stress. Dieser entsteht bei zu starker Radikalbelastung mit Sauerstoffradikalen, bzw. wenn eine unzureichende antioxidative Kapazität im Körper vorhanden ist.

Eine starke Belastung kann einerseits durch starken Stress entstehen, sowohl physisch als auch psychisch, aber auch durch Medikamente oder andere Umweltbelastungen.

Eine eingeschränkte antioxidative Kapazität wird häufig durch Mangel an Mikronährstoffen wie Zink, Selen oder Kupfer verursacht.

 

Den meisten Schaden verursachen Sauerstoffradikale an Zellmembranen im Bereich der Fettsäuren. Diese werden angegriffen und die Funktion der gesamten Zelle kann eingeschränkt werden. Auch DNA- Schäden können Folge einer Radikalbelastung sein.

 

Oxidativer Stress und Sport

Die immer noch häufig zitierte Aussage, dass viel Sport auch viel Radikale und somit oxidativen Stress erzeugt hält sich hartnäckig. Im Grundsatz ist dies auch richtig, weil die meisten Sauerstoffradikale aus der Atmungskette (Ort der aeroben Energiegewinnung), „verloren“ gehen. Falsch ist jedoch die Schlussfolgerung das zwangsläufig oxidativer Stress entsteht. Ein gesunder Körper ist in der Lage, und diese Systeme werden mit steigender Belastung auch optimiert, anfallende Radikale effektiv zu beseitigen. Hier stehen in erster Linie die Entgiftungsenzyme Superoxiddismutase (SOD) und Glutathionperoxidase (GPX) zur Verfügung.

 

Wissenschaftliche Arbeiten haben gezeigt, dass eine Substitution mit Antioxidantien (Vitamin C und E) sogar die Funktion der Entgiftungsenzyme einschränken. Zum Teil werden sogar für eine adäquate Trainingsanpassung benötigte Signale durch Zufuhr von Antioxidantien nach dem Training verhindert und die Anpassung verzögert.

 

Nitrotyrosin

Analog bzw. als Folge zum oxidativen Stress gibt es den nitrosativen Stress. Die handelt es sich um die Belastung durch Stickstoffradikale. Diese entstehen, wenn Stickstoffmonoxid (NO), welches physiologisch in vielen Zellen des Körpers produziert wird (Gefäße, Immunsystem, Nervensystem), mit Sauerstoffradikalen in Verbindung kommt. NO wird aus der Aminosäure Arginin aufgebaut. Übermäßig viel NO wird produziert z.B. bei chronischen Erkrankungen, Stress, Medikamenten und Umweltbelastungen. Auch Probleme an der Halswirbelsäule können dies versursachen.

 

Nitrosativer Stress im Sport

Zwei Hauptprobleme entstehen für den Sportler. Zuviel NO blockiert an bestimmten Stellen die Atmungskette also auch die Energiegewinnung. Dieser Vorgang ist reversible, d.h. wenn NO abgebaut wird, z.B. durch Vitamin B12 kann die Energiegewinnung weiter laufen.

Wesentlich gravierender ist die Belastung mit Peroxinitrit, einen Stickstoffradikal. Dieses blockiert irreversible die Atmungskette. D.h. dieser Vorgang ist nicht rückgängig zu machen und die Energiegewinnung ist unterbrochen. Bei Anhäufung von Radikalen führt dies zwangsläufig zu einem Energiemangel.

 

Unter der Berücksichtigung oben genannter Faktoren sollen eine hochdosierte Substitution von Arginin, dem Baustein von NO, im Sport kritisch überdacht werden.

 

hsCRP – hochsensitives C-reaktives Protein

Das hsCRP ist als Marker für chronische, stille Entzündungen anerkannt (silent inflammation). Diese sind ursächlich ein Problem für Gefäßerkrankungen und deren Folgen. Vor allem Sportler mit familiärer Belastung oder Blutdruckproblemen sollten dies im Auge behalten.

Das hsCRP steigt aber entsprechend auch bei oxidativen Belastungen und allgemeinen Stresssituationen.

 

Folgen:

Wenn einer oder mehrere Parameter erhöht sind sollten mögliche Ursachen besprochen werden (Lebensumstände, Medikamente, Rauchen, Stress, Krankheiten). Neben einer evtl. Umstellung von Gewohnheiten sollte die Ernährung ausgerichtet und evtl. eine angepasste Zusatzversorgung mit Mikronähstoffen erfolgen.

 

Wenn tatsächlich eine oxidative oder nitrosative Belastung vorhanden ist, muss auch das Training zwingend angepasst werden. Zuerst müssen die antioxidativen Kapazitäten des Körpers wiederhergestellt werden, um die entstehenden Radikale zu entgiften.

Profil Darm 

Die genetische Mikrobiomanalyse ist der aktuelle Gold-Standard der Darmdiagnostik!

Neben der allgemeinen bakteriellen Besiedlung werden Parameter der Schleimhaut- und Immungesundheit untersucht.

 

Dieses Profil eignet sich für alle Personen und Sportler mit direkt Darmproblematiken (in Ruhe oder unter Belastung), häufigen Infekten, nach Medikamenteneinnahme (Antibiotika) und allgemeiner Stressbelastung oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten.

 

Für viele ist der Darm das Zentrum der Gesundheit. Dies ist in sofern richtig weil ca. 70% der Immunzellen im Darm zu Hause sind. Somit ist ein gesundes Milieu eine Voraussetzung für die Gesundheit und somit auch Leistungsfähigkeit des Körpers. Zudem können Schäden an der Darmschleimhaut auch zu verminderter Aufnahme von Makro- und Mikronährstoffen beitragen und somit die Basis von Unterversorgungen sein.

 

Die „richtige“ bakterielle Zusammensetzung verhindert die Ansiedlung krankmachender Keime und sorgt für einen entsprechend Darm pH-Wert welcher für die Verdauung wichtig ist. Es gibt Bakterien die speziell die Schleimhaut schützen oder Substanzen produzieren welche den Darmzellen als Nahrung dienen.

 

Der Marker Zonulin zeigt direkt an ob die Darmschleimhaut zu durchlässig ist (leaky gut). Ursache können Stress, Medikamente oder Umweltbelastungen sein. Ein „löschriger Darm“ ist häufig Ursache für Nahrungsmittelunverträglichkeiten, weil dann zu große Nahrungsbestandteile in den Körper übergehen und das Immunsystem hierauf reagiert und sensibilisiert.

 

Das alpha-1-Antitrypsin ist ein Parameter für oberflächliche Entzündungen der Darmschleimhaut welche in Folge auch zu einem Leaky Gut führen können.

 

Das sekretorische Immunglobulin A (sIgA) zeigt die Funktionsfähigkeit des Darm Immunsystem an. Es läßt sich erkennen ob entzündliche bzw. Abwehrprozesse im Gang sind oder aber schon so lange chronisch vorhanden sind das die Sekretion bereits erschöpft ist.

 

Aus der Kombination dieser 3 Werte lässt sich eine gute Beurteilung der Situation im Darm herleiten.

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